11. Denkmalschutz und Denkmalpflege

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Teil III Unter Denkmalschutz wird die Gesamtheit der gesetzlichen und behördlichen Anordnungen und Verbote verstanden, welche die Erhaltung oder Instandsetzung von Kulturdenkmalen zum Ziel haben. Denkmalpflege ist dagegen die fachlich beratende und materielle Unterstützung von Denkmaleigentümerinnen und -eigentümern bei der Erhaltung oder Instandsetzung von Kulturdenkmalen. Was ist ein Kulturdenkmal? Kulturdenkmale im Sinne des § 3 Absatz 1 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes (NDSchG) sind Baudenkmale, Bodendenkmale und bewegliche Denkmale. Baudenkmale sind bauliche Anlagen, Teile baulicher Anlagen und Grünanlagen, an deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen oder städtebaulichen Bedeutung ein öffentliches Interesse besteht. Baudenkmal ist auch eine Gruppe baulicher Anlagen, die aus oben genannten Gründen erhaltenswert ist. Hierzu können auch Pflanzen (zum Beispiel der Baumbestand eines Parks) sowie Frei- und Wasserflächen in der Umgebung eines Baudenkmales gehören. Bodendenkmale sind mit dem Boden verbundene oder im Boden verborgene Sachen und Spuren von Sachen, die von Menschen geschaffen oder bearbeitet wurden oder Aufschluss über menschliches Leben in vergangener Zeit geben und an deren Erhaltung aus eben diesen Gründen ein öffentliches Interesse besteht. Bewegliche Denkmale sind bewegliche Sachen, die von Menschen geschaffen oder bearbeitet wurden und Aufschluss über menschliches Leben in vergangener Zeit geben und aus vorgenannten Gründen erhaltenswert sind. Verzeichnis der Baudenkmale Bei Baudenkmalen wird unterschieden zwischen Einzeldenkmalen (§ 3 Absatz 2 NDSchG) und solchen, die eine denkmalgeschützte Gruppe baulicher Anlagen (auch „Ensemble“ genannt) bilden (§ 3 Absatz 3 NDSchG). Diese werden im so genannten Verzeichnis der Baudenkmale geführt. Die Entscheidung, ob eine bauliche Anlage in das Verzeichnis aufgenommen wird, trifft das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege. Als Ensemble können zum Beispiel ganze Straßenzüge wegen ihrer städtebaulichen Wirkung im Verzeichnis geführt werden. Denkmalrechtlich relevant ist dann häufig nur das äußere Erscheinungsbild (also die Fassaden und das Dach), gleichzeitig können jedoch Gebäude innerhalb der Gesamtanlage auch Einzeldenkmale sein. Die Einstufung und Begründung durch die Denkmalfachbehörde ist ausschlaggebend für die Zulässigkeit und die Förderungs- und steuerliche Abschreibungsfähigkeit von Maßnahmen am Gebäude (näheres hierzu siehe unten). Das Denkmalverzeichnis im Landkreis Gifhorn ohne die Stadt Gifhorn umfasst derzeit etwa 775 Baudenkmale. Da das Verzeichnis in Niedersachsen nur nachrichtlichen Charakter hat, ist die Denkmaleigenschaft jedoch nicht abhängig von der Eintragung. Es kann sein, dass es immer noch Gebäude gibt, die die Eigenschaften eines Kulturdenkmales besitzen und nicht im Denkmalverzeichnis geführt sind. Im Zweifel sollten also Auskünfte bei der unteren Denkmalschutzbehörde eingeholt werden. Denkmalrechtliche Genehmigung Fast alle Eingriffe an Baudenkmalen unterliegen der Genehmigungspflicht nach Denkmalrecht, unabhängig davon, ob die Maßnahmen baugenehmigungspflichtig sind. Gemäß § 10 Absatz 1 Nr. 1 NDSchG bedarf einer Genehmigung der unteren Denkmalschutzbehörde, 38  |  Planen und Bauen im Landkreis Gifhorn wer ein Kulturdenkmal zerstören, verändern, instand setzen oder wiederherstellen will. So sind nach dem Denkmalschutzgesetz zum Beispiel auch Erneuerungen von Dacheindeckungen, Anstrichen und Putzen, der Austausch beziehungsweise die Reparatur von Fachwerkhölzern, Fenstern und Türen, der Einbau einer neuen Heizung, das Anbringen von Verkleidungen und Werbeanlagen sowie Abbrucharbeiten genehmigungspflichtig. Dies ist erforderlich, um sicherzustellen, dass keine Schäden am Denkmal durch unsachgemäße Maßnahmen (zum Beispiel durch einen zu dichten Anstrich im Hinblick auf die Wasserdampfdiffusion) und keine Beeinträchtigung der Denkmaleigenschaft durch nicht denkmalgerechte Baustoffe (zum Beispiel durch Kunststofffenster oder Betondachsteine) entstehen. Die Anforderungen beziehen sich nicht auf Instandsetzungsarbeiten, die sich nur auf Teile des Kulturdenkmales auswirken, welche für seinen Denkmalwert ohne Bedeutung sind (zum Beispiel Reparaturen von Installationen). Der Antrag auf denkmalrechtliche Genehmigung ist schriftlich mit allen zur Beurteilung erforderlichen Unterlagen bei der unteren Denkmalschutzbehörde einzureichen. In der Regel sind mindestens Zeichnungen zum Bestand und zum geplanten Neuzustand sowie eine Maßnahmenbeschreibung und -begründung erforderlich. Bei einfachen Maßnahmen reichen unter Umständen Fotos und eine Beschreibung. Welche Unterlagen im Einzelfall vorzulegen sind, ist abhängig vom Umfang der Maßnahme und mit der unteren Denkmalschutzbehörde abzustimmen. Für denkmalrechtliche Genehmigungen werden keine Gebühren erhoben. Sofern das Bauvorhaben auch baugenehmigungspflichtig ist, schließt eine erforderliche Baugenehmigung die denkmalrechtliche Genehmigung mit ein. In diesem Fall entstehen jedoch Kosten nach der BauGO (siehe oben). 11. Denkmalschutz und Denkmalpflege Schwülper


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