16. Aufgaben von Planerinnen und Planern

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16. Aufgaben von Planerinnen und Planern Bei dem Bau eines Gebäudes nehmen Bauherrinnen und Bauherren infolge mangelnder Kenntnisse und Erfahrungen in aller Regel die Hilfe von Planerinnen und Planern in Anspruch. Planerinnen und Planer werden auch als „Erfüllungsgehilfinnen“ oder „Erfüllungsgehilfen“ von Bauherrinnen und Bauherren bezeichnet. Planung und Bauleitung lassen sich in verschiedene Leistungsphasen aufteilen. Sie können in Anlehnung an § 34 der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ausformuliert und vereinbart werden. Planerinnen und Planer helfen Bauherrinnen und Bauherren, ihre Ideen zu konkretisieren und in genehmigungsfähige und ausführbare Pläne umzusetzen sowie das Bauwerk zu realisieren. Grundlagenermittlung, Vor- und Entwurfsplanung Nach der Ermittlung und Klärung der Vorstellungen im Hinblick auf Umsetzbarkeit, Flächen- und Raumbedarf sowie Kosten stellen Planerinnen und Planer den Bauherrinnen und Bauherren mehrere Planungsalternativen vor, erarbeiten erste Planskizzen und führen gegebenenfalls Verhandlungen mit Behörden über die Genehmigungsfähigkeit des geplanten Bauvorhabens. Wenn die Bauherrinnen und Bauherren sich dann für eine Planungsalternative entschieden haben, erarbeiten die Planerinnen und Planer daraus den Entwurf. Diese Arbeiten entsprechen den Leistungsphasen 1 bis 3 der HOAI (Grundlagenermittlung, Vor- und Entwurfsplanung). Genehmigungsplanung Auf der Grundlage der Entwurfsplanung wird die Genehmigungsplanung erstellt (Leistungsphase 4 der HOAI) und das bauordnungsrechtliche Verfahren für das Bauvorhaben eingeleitet. Ausführungsplanung und Vergabe Die Entwurfs- beziehungsweise Genehmigungsplanung ist in der Regel nicht detailliert genug, damit Bau- und Handwerksunternehmen danach arbeiten können. Dazu müssen die Planerinnen und Planer Konstruktions- und Detailzeichnungen erstellen (Leistungsphase 5 der HOAI), in denen Detaillösungen des Hausbaus in dem dafür angemessenen Maßstab dargestellt werden. Mit Hilfe dieser Ausführungsplanung können die Planerinnen und Planer nun die Ausschreibungsunterlagen (die so genannten Leistungsbeschreibungen und -verzeichnisse) für Bauunternehmerinnen und Bauunternehmer sowie Handwerkerinnen und Handwerker erstellen (Leistungsphase 6 der HOAI). Für jedes Gewerk (also die einzelnen Handwerksbereiche wie Zimmerei- oder Klempnereiarbeiten) werden die erforderlichen Leistungen und Baumaterialien aufgeführt, Mengen- und Massenangaben ermittelt und Qualitäten vorgegeben. Diese Unterlagen werden von den Planerinnen und Planern an jeweils mehrere Baufirmen oder Handwerksbetriebe verschickt und Angebote erbeten. Mindestens drei Angebote sollten pro Leistungsverzeichnis eingeholt, geprüft und miteinander verglichen werden. Das Ergebnis wird in einem Preisspiegel festgehalten und mit der bisherigen Kostenberechnung verglichen. Mit Empfehlungen versehen wird den Bauherrinnen und Bauherren das Ausschreibungsergebnis zur Entscheidung vorgelegt (Leistungsphase 7 der HOAI). Die Bauherrinnen und Bauherren wählen aus, erhalten Bauvertragsentwürfe, die von den Planerinnen und Planern vorbereitet werden, und erteilen die Aufträge (die so genannte Vergabe). Objektüberwachung Auf die Objektüberwachung entfallen aufgrund des Projektverlaufs die Koordination der Bauausführung und die Überwachung auf Übereinstimmung mit der Baugenehmigung, den Ausführungsplänen, 50  |  Planen und Bauen im Landkreis Gifhorn den Leistungsbeschreibungen sowie mit den anerkannten Regeln der Technik und Vorschriften z. B. durch einen bauleitenden Architekten. Für die Aufgaben der Objektüberwachung bei Gebäude, Freianlagen und raumbildende Ausbauten bietet der § 34 – siehe auch Anlage 10 – der HOAI 2013 entsprechende Anhaltspunkte. Zu den Aufgaben der Objektüberwachung gehören u.a.: • Koordinieren der an der Objektüberwachung fachlich Beteiligten (z. B. Fachingenieure), • Überwachung und Detailkorrektur von Fertigteilen, • Aufstellen und Überwachen eines Zeitplanes (Balkendiagramm): Bauzeitenplan, • Führen eines Bautagebuches, • Gemeinsames Aufmaß mit den bauausführenden Unternehmen, • Abnahme der Bauleistungen unter Mitwirkung anderer an der Planung und Objektüberwachung fachlich Beteiligter unter Feststellung von Mängeln, • Rechnungsprüfung, • Kostenfeststellung nach DIN 276 oder nach dem wohnungsrechtlichen Berechnungsrecht, • Antrag auf behördliche Bauabnahmen und Teilnahme daran, • Übergabe des Objekts einschließlich Zusammenstellung und Übergabe der erforderlichen Unterlagen, zum Beispiel Bedienungsanleitungen, Prüfprotokoll, • Auflisten der Gewährleistungsfristen, • Überwachen der Beseitigung der bei der Abnahme der Bauleistungen festgestellten Mängel, • Kostenkontrolle durch Überprüfen der Leistungsabrechnung der bauausführenden Unternehmen im Vergleich zu den Vertragspreisen und dem Kostenanschlag. Zeitplanung Von der Bauleitung sollte ein Zeitplan erstellt und danach der zeitliche Bauablauf organisiert und die einzelnen Gewerke koordiniert werden. Eine gute Zeitplanung ist nicht nur erforderlich, um einen Fertigstellungstermin abzusichern, sondern auch, um Mehrkosten durch Bauzeitverzögerungen zu vermeiden. Die Aufgabe der Bauleitung ist es auch zu gewährleisten, dass die bauordnungsrechtlichen Vorgaben, unter anderem auch aus eventuellen Nebenbestimmungen der Baugenehmigung, eingehalten werden und nach den Ausführungsplänen sowie den allgemein anerkannten Regeln der Technik mängelfrei gebaut wird. Abnahmen Die Abnahmeformen bzw. –arten regelt § 12 VOB, Teil B sowie § 640 BGB für einen BGB-Werkvertrag. Die Abnahme setzt voraus, dass die Bauleistungen im Wesentlichen vertragsgemäß fertiggestellt und frei von Mängeln sind. Dem Auftragnehmer wird empfohlen, dies mit einer Fertigstellungsmeldung dem Auftraggeber – möglichst schriftlich – anzuzeigen. Die Abnahme bei einem Bauvertrag nach VOB ist auf Verlangen des Auftragnehmers durch den Auftraggeber innerhalb von 12 Werktagen durchzuführen. Die Vertragspartner können auch eine andere Frist vereinbaren. Eine besondere Form für das Verlangen ist nicht vorgeschrieben. Die Schriftform wird jedoch empfohlen. Der Auftraggeber kann die Abnahme verweigern, wenn wesentliche Mängel vorliegen. Die Beseitigung dieser Mängel kann er zur Voraussetzung für die Abnahme machen. Wenn jedoch nur unwesentliche Mängel vorliegen oder unwesentliche Leistungen, die nicht die Nutzbarkeit beeinträchtigen, fehlen, steht das dem Abnahmeverlangen nicht entgegen. Das Abnahmeverlangen sollte auch in diesem Fall schriftlich geäußert werden. Teil III


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