Page 60

Gifhorn_61_01

Teil III Durch einen entsprechenden Passus in den allgemeinen Geschäftsbedingungen ist diesem Umstand nicht zu entkommen. In einem solchen Fall müssten schon sehr detaillierte Lüftungsanweisungen deutlicher Vertragsbestandteil werden. Und selbst dann ist es nach Ansicht von Rechtsexperten höchst zweifelhaft, ob nicht ein Verstoß gegen die allgemein anerkannten Regeln der Technik vorliegt. Wer auf der sicheren Seite sein will, plant so, dass bei einem realistisch eingeschätzten Lüftungsverhalten der Menschen der hygienische Luftaustausch sichergestellt ist. Das Lüftungskonzept zeigt dazu Lösungsansätze auf. Bei einem neuen Wohnhaus beziehungsweise in einem gut gedämmten Bestandsgebäude geht etwa die Hälfte aller Heizwärme während des notwendigen Lüftens über die Fenster verloren. Eine Verringerung dieser Lüftungswärmeverluste um bis zu 80 % und zugleich eine erhebliche Steigerung des Lüftungskomforts ermöglichen Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung. Sie saugen warme verbrauchte Luft aus Küche, Bad und WC ständig ab und führen sie über einen Wärmetauscher nach außen ab. Gleichzeitig wird ständig und wohl dosiert frische Außenluft vorerwärmt in die Aufenthaltsräume eingeblasen. Die Frischluftversorgung und die Geruchs- und Feuchteabfuhr erfolgt vollautomatisch sowie unabhängig von Wind, Wetter, Anwesenheit und Lüftungsdisziplin. Die Verteilung erfolgt je nach Anlagentyp über ein Ein- oder Zweirohrsystem. Die benötigten Rohre sind zwar recht groß, wird die Anlage aber von Anfang an mit eingeplant, können die Leitungen im Neu- wie im Altbau gut „versteckt“ werden. Übrigens: In Gebäuden mit Lüftungsanlage kann man natürlich die Fenster öffnen. Außerhalb der Heizperiode kann eine manuelle Fensterlüftung betrieben und bei gekipptem Fenster geschlafen werden. Bequemer ist es jedoch, die Lüftungsanlage zu betreiben. Neutrale und unabhängige Informationen über Lüftungsanlagen sind unter www.tzwl.de zu finden. Dies ist das Informationsportal des „Testzentrum für Wohnungslüftungsgeräte (TZWL) e.V.“. Darüber hinaus gibt es unter anderem von der Verbraucherzentrale informelle Broschüren zum Thema Lüften. Raumwärmeerzeugung Üblicherweise werden die Räume über eine Zentralheizung und Heizflächen wie Heizkörper oder Fußbodenheizung beheizt. In Passivhäusern wird die benötigte Wärme über die Lüftungsanlage in die Räume gebracht. 58  |  Planen und Bauen im Landkreis Gifhorn Wie auch immer die Wärme in die Räume kommt, sie muss erzeugt werden. Grundlegende Überlegungen muss man zum Wärmeerzeuger und zum Brennstoff beziehungsweise zur Wärmequelle anstellen. Hier sollten eine effiziente Technik (zum Beispiel Brennwerttechnik) und/oder ein regenerativer Brennstoff im Vordergrund stehen. So liefert der naheliegende Harz klimaneutrale Pellets, die in Zentralheizungen vollautomatisch in Raumwärme umgewandelt werden. Der Rohstoff wächst fast vor der Haustür und wird auch dort verarbeitet. Alternativ kann ein Brennwertgerät mit Gas oder Heizöl betrieben werden. Auch ist der Einsatz einer Wärmepumpe oder eines Stückholzkessels möglich. Die eingesetzte Technik muss ausreichend Leistung haben, um die Bedürfnisse kostengünstig und -verlustarm zu erfüllen. Dies muss besonders beim Einbau von Wärmepumpen geprüft werden. Bei geeigneter Dachfläche kann eine Unterstützung der Heizung mit einer thermischen Solaranlage sinnvoll sein. Die von der Sonne gelieferte Wärme wird in einem wassergefüllten Wärmespeicher „gepuffert“ (Pufferspeicher). Informationen zu einer klimafreundlichen und regenerativen Haustechnik sind bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) unter www. zukunft-haus.info, aber auch bei der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) unter www.fnr.de oder beim Verein C.A.R.M.E.N., dem „centralen Agrar-, Rohstoff-, Marketing- und Energie-Netzwerk“ unter www.carmen-ev.de erhältlich. Warmwassererzeugung Klassisch wird das Warmwasser über die Zentralheizung „mit“-erzeugt und in einem Trinkwasserspeicher zwischengelagert. Alternativ kann das Warmwasser über eine Frischwasserstation erwärmt werden. Das Wasser wird im Durchlaufprinzip über einen Wärmetauscher temperiert und zum Wasserhahn geleitet. Die erforderliche Wärme kommt aus einem dann nötigen Pufferspeicher, wie er bei thermischen Solaranlagen eingebaut wird. Bei hohem Warmwasserverbrauch (ab drei bis vier Bewohnern) und einer geeigneten Dachfläche sollte man sich Gedanken über eine thermische Solaranlage machen, die während der Sommermonate die Warmwasserbereitung übernimmt. Aber auch schon in einem 2-Personen-Haushalt kann eine solche Anlage sinnvoll sein, wenn zum Beispiel täglich gebadet wird. Um eine gute Auslastung einer thermischen Solaranlage zu erhalten, sollten die Spülmaschine (bei den meisten Geräten möglich) und auch die Waschmaschine (eventuell über ein Vorschaltgerät) an das Warmwasser angeschlossen werden. Über die Sommermonate kann die Zentralheizung komplett ausgeschaltet werden. Mit Hilfe einer guten Steuerung kann in der Übergangszeit ein Großteil des Warmwasserbedarfs ebenfalls über die Solaranlage erzeugt werden. Um das kostengünstige Warmwasser immer schnell zur Verfügung zu haben, kann eine Zirkulationsleitung sinnvoll sein. Die Zeiten, in denen eine Zirkulation als Energieverschwender verpönt war, sind vorbei. Heutzutage gibt es Systeme, die auf Anforderung fast verlustfrei das warme Wasser zur Zapfstelle pumpen. In vorhandenen Systemen sollte eine Zeitschaltuhr eingebaut werden, die auf die individuellen Nutzungszeiten für Warmwasser eingestellt ist. Einstellungen und Wartung Auch Technik braucht Aufmerksamkeit. Nur eine gut eingestellte und gewartete Anlage arbeitet effizient, angefangen bei Hocheffizienzpumpen, richtig eingestellten Zeitschaltuhren (Nachtabsenkung, Anwesenheit, Umstellung auf Sommerzeit), aber auch die Kontrolle der Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit gehört dazu. Dieses erfordert Aufmerksamkeit, die sich dann aber in niedrigen Heizkosten widerspiegelt. 19. Energiesparendes Bauen


Gifhorn_61_01
To see the actual publication please follow the link above