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Gifhorn_61_01

Planen und Bauen im Landkreis Gifhorn  |  61 9. Was passiert, wenn man sich nicht an die Vorgaben hält? Der Verkäufer, Vermieter, Verpächter oder Leasinggeber ist verantwortlich dafür, dass er den Energieausweis rechtzeitig vorlegt und übergibt. Wer dies vorsätzlich oder leichtfertig nicht, nicht vollständig oder nicht rechtzeitig macht, riskiert ein Bußgeld von bis zu 15.000 Euro. Gleiches trifft Eigentümer, die vorsätzlich oder leichtfertig nicht dafür Sorge tragen, dass die von ihnen zur Erstellung eines Energieverbrauchsausweises zur Verfügung gestellten Daten richtig sind. 1. Jahres-Primärenergiebedarf (QP) in kWh/(m²a) In Bezug auf die Größe, Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung des Gebäudes muss ein bestimmter Jahresprimärenergiebedarf (QP) eingehalten werden. Der berechnete Jahres Primärenergiebedarf ist unter anderem im Energieausweis zu finden. Eingerechnet werden im Wesentlichen die Dämmqualität aller Bauteile (mittlerer U-Wert mit Wärmebrückenzuschlag) der wärmeübertragenden Hüllfläche, die Effizienz der eingebauten Technik wie Heizung, Warmwasser, Kühlung (sofern vorhanden) und die Luftdichtheit jeweils in Bezug auf die individuelle Größe des Gebäudes. Der berechnete Jahres-Primärenergiebedarf darf gemäß § 3 Absatz 1 EnEV den Wert des Jahres-Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes gleicher Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung mit der in Anlage 1 Tabelle 1 der EnEV angegebenen technischen Referenzausführung nicht überschreiten. 2. Transmissionswärmeverlust H´T in W/(m²K) Der Transmissionswärmeverlust H´T oder auch mittlerer U-Wert beschreibt die energetische Qualität („Wärmedämmqualität“) aller verbauten Bauteile der Gebäudehülle wie Außenwand, Fenster, aber auch kleinerer Bauteile wie Haustür und Wände zu unbeheizten Bereichen. Jedes Bauteil bekommt einen so genannten Wärmebrückenzuschlag, entweder einen hohen pauschalen Zuschlag für alle Bauteile oder einen niedrigeren pauschalen Zuschlag, wenn die Anforderungen nach DIN 4108 Beiblatt 2 eingehalten werden. Alternativ können die Wärmebrücken auch einzeln ermittelt und ausgewiesen werden. Nach § 3 Absatz 2 EnEV sind zu errichtende Wohngebäude so auszuführen, dass die Höchstwerte des spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlusts nach Anlage 1 Nr. 1.2 der EnEV nicht überschritten werden. 3. Sommerlicher Wärmeschutz Die Anforderung an den sommerlichen Wärmeschutz dient dem Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner vor unbehaglich überhitzten Gebäuden. In Zeiten von großflächigen Glasfassaden und zahlreichen Dachflächenfenstern ist es wichtig, dass bereits in der Planungsphase an wirksamen Sonnenschutz wie z. B. Rollläden, Raffstores oder festen Sonnenschutz gedacht wird, um einem späteren Nachrüsten von energieintensiven Klimageräten vorzubeugen. Die geplanten Verschattungsmöglichkeiten werden in der Berechnung des Energieausweises berücksichtigt. Nach § 3 Absatz 4 EnEV sind zu errichtende Wohngebäude so auszuführen, dass die Anforderungen an den sommerlichen Wärmeschutz nach Anlage 1 Nummer 3 der EnEV eingehalten werden. Übrigens: Die in den Nachweisen zum Wärmeschutz getroffenen Ansätze müssen so gebaut bzw. ausgeführt werden. Daher muss in der Ausführungsplanung darauf geachtet werden, dass alle Ansätze und Angaben aus dem Energieausweis, die in der frühen Leistungsphase der Entwurfsplanung gerechnet wurden, auch umgesetzt werden. Nur so wird der gewünschte energetische Standard auch erreicht. Energetische Standards Die oben beschriebenen Anforderungen der EnEV beziehen sich auf die Mindestanforderungen, also das unterste Niveau im Neubaubereich. Wer besser als EnEV-Standard bauen möchte, hat zahlreiche Möglichkeiten. Vielfach wird sich hier an den Bedingungen der Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) orientiert, zum Beispiel an den so genannten KfW-Effizienzhäusern und dem Passivhaus. Das KfW-Effizienzhaus ist ein technischer Standard, den die KfW in ihren Förderprodukten nutzt. Unterschiedliche Zahlenwerte geben an, wie hoch der Jahresprimärenergiebedarf der Immobilie im Verhältnis zu einem vergleichbaren Neubau ist. Dabei gilt: Je niedriger die Zahl, desto höher die Energieeffizienz. Anforderungen an KfW-Effizienzhäuser Passivhäuser sind Gebäude, die dank ihrer kompakten, stark wärmegedämmten Bauweise keine Heizung mehr benötigen. Der Begriff Passivhaus ist nicht geschützt. Er wird vielmehr als eine Art Verbrauchsstandard definiert. Die wichtigsten Merkmale eines Passivhauses sind: • Ausgezeichneter Wärmeschutz • Kein konventionelles Heizsystem • Dreifache Wärmeschutzverglasung mit gedämmten Fensterrahmen • Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung Daneben gibt es weitere Hausbezeichnungen, wie z. B. Niedrigenergiehaus, Nullenergiehaus, Plusenergiehaus oder Sonnenhaus. Bei all diesen „ungeschützten“ Bezeichnungen muss man immer genau überprüfen, ob auch „drin ist was draufsteht“. So kann ein als besonders energiesparend beworbenes „Niedrigenergiehaus nach EnEV“ unter Umständen gerade mal die Mindestanforderungen einhalten. Eine Überprüfung erfolgt am einfachsten durch die Einsicht in den Energieausweis des Gebäudes durch Vergleich der Angaben mit den Anforderungen an die Effizienzhäuser der KfW, gegebenenfalls unter Heranziehung zum Beispiel eines Energieberaters. Bauteilaufbauten Neubau Außenwände Außenwände können grob in zwei Bauweisen eingeteilt werden: Massivbau- und Holzbaukonstruktionen. Auf eine gute Dämmwirkung sollte in beiden Fällen geachtet werden. Beim Massivbau liegen Dämmung und Tragkonstruktion nebeneinander und können je nach Ausführung viel Platz in Anspruch nehmen. Auch gibt es reine Massivkonstruktionen, bei denen der Mauerstein entsprechende Dämmeigenschaften besitzt. Je nach Energieeffizienz des Gebäudes stößt man aber bei diesem System recht schnell an seine Grenzen. Bei einer Holzkonstruktion werden Tragkonstruktion und Dämmung ineinander geschoben, dies spart bebaute Fläche. Erprobt sind beide Bauweisen. Die Entscheidung liegt bei den Bauherrinnen und Bauherren, wobei auch Wärmespeichereigenschaften (Behaglichkeit, sommerlicher Wärmeschutz) und Schallschutz berücksichtigt werden sollten. Ausführung Bauteil (U-Wert) Neubau Bauteil EnEV Anforderung Empfehlung Außenwand 0,24 W/(m2K) 0,15 W/(m2K) Wand gegen Erdreich 0,30 W/(m2K) 0,20 W/(m2K)


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