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Gifhorn_61_01

Planen und Bauen im Landkreis Gifhorn  |  63 Im Hinblick auf eine Fußbodenheizung ist eine starke Wärmedämmung zum unbeheizten Keller oder zum Erdreich besonders wichtig, um den jeweiligen Raum und nicht das Erdreich oder den Keller zu heizen. Die Dämmung kann oberhalb oder unterhalb der Kellerdecke/ Bodenplatte verlegt werden. Eine Verlegung unterhalb der Bodenplatte bietet eine wärmebrückenfreie Konstruktion, der benötigte Dämmstoff muss aber hohen Anforderungen genügen. Bei einer Dämmung oberhalb des thermisch trennenden Bauteils sind die aufstehenden Mauern (je nach Material) als lineare Wärmebrücken zu berücksichtigen. Ausführung Bauteil (U-Wert) Neubau Bauteil EnEV Anforderung Empfehlung Bodenplatte 0,30 W/(m2K) 0,20 W/(m2K) Beispielaufbau für einen Fußbodenaufbau mit einem U-Wert von 0,20 W/(m²K) Bodenplatte – Bauteilhöhe 37 cm • 50 mm Estrich • 120 mm Trittschall- und Wärmedämmung WLG 025 • 200 mm Betonbodenplatte Dachschrägen und oberste Geschossdecke Das Dach schützt vor der Witterung und ist quasi die warme Mütze – hier heißt es in Bezug auf die Dämmung nicht kleckern, sondern klotzen, je mehr desto besser. Im Dachbereich ist es ein Leichtes, große Dämmstoffstärken unterzubringen. Je nach Nutzung des Obergeschosses sind die Dachschrägen und/oder die oberste Geschossdecke das zu dämmende Bauteil. Wichtig ist eine raumseitige luftdichte Ebene, die ein Durchfeuchten des Dämmstoffes mit Luftfeuchtigkeit aus der Raumluft verhindert. Diese luftdichte Ebene muss an den Rändern der Dach- bzw. Deckenbauteile dauerhaft mit der luftdichten Ebene der Wände (zum Beispiel Innenputz im Massivbau) verbunden werden. Unter der Dacheindeckung ist eine Unterspannbahn nötig. Aufgabe dieser Textilien ist es, die Dämmung vor Regenwasser, Flugschnee, Wind und auch Ungeziefer zu schützen. Die Dämmung kann platzsparend zwischen den Sparren verlegt werden. Alternativ kann eine Aufsparrendämmung gewählt werden, bei der die Sparren raumseitig sichtbar bleiben. Auch eine Kombination von Zwischen- und Aufsparrendämmung ist möglich. Außerdem kann der Bereich zwischen den Latten der innenseitigen Gipskartonverkleidung, die auch Installationsebene genannt wird, als weitere Dämmebene genutzt werden. In dieser Lattenebene werden Kabel und Steckdosen verlegt, ohne die luftdichtende Ebene zu durchstoßen. Falls ein Durchstoßen der luftdichtenden Ebene doch nötig ist (Kabel der Satellitenantenne, Zuleitungen zu Solar- oder PV-Anlage, Abwasserentlüftung), gibt es hierfür entsprechende Luftdichtungsmanschetten. Um eine schnelle Aufheizung des Dachgeschosses im Sommer zu vermeiden, sollte Dämmstoff mit hoher Dichte beziehungsweise hohem Flächengewicht gewählt werden, um einen möglichst hohen Wert für die so genannte Phasenverschiebung zu erhalten. Die Phasenverschiebung bezeichnet die Zeitdifferenz, nach der das nachmittägliche Hitzemaximum auf der Bauteilaußenseite die Bauteilinnenseite erreicht. Dies sollte möglichst in der zweiten Nachthälfte geschehen, idealerweise also nach 10 bis 12 Stunden. Geeignete Baustoffe sind zum Beispiel Dämmungen aus Zelluloseflocken oder aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holzfaser oder Hanf. Ausführung Bauteil (U-Wert) Neubau Bauteil EnEV Anforderung Empfehlung Dachschrägen, oberste Geschossdecke 0,24 W/(m2K) 0,15 W/(m2K) Dachflächen mit Abdichtungen 0,20 W/(m2K) 0,15 W/(m2K) Beispielaufbauten für einen Dachaufbau mit Zwischensparrendämmung mit einem U-Wert von 0,15 W/(m²K) Holzkonstruktion – Bauteilhöhe 33 cm (ohne Dacheindeckung) • 12 mm Gipskartonplatte • 30 mm Installationsebene Dämmung WLG 035 • PE-Folie als luftdichtende Ebene • 280 mm Sparren mit Dämmung WLG 035 • Unterspannbahn • Latten und Ziegeleindeckung Luftdichtheit Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen dauerhaft luftundurchlässig entsprechend den anerkannten Regeln der Technik abgedichtet ist (§ 6 Absatz 1 EnEV). Das heißt alle Bauteile müssen, meist raumseitig, eine luftdichtende Ebene erhalten. Betonbauteile wie Bodenplatten und Decken sind in sich luftdicht, bei Mauerwerk übernimmt der Innenputz die luftdichtende Funktion. Bei Holzkonstruktionen (Wand/Dach) wird als luftdichtende Ebene innenseitig eine Folie, Baupappe oder Grobspanplatte eingesetzt (Gipskartonplatten haben keine luftdichtenden Eigenschaften). An allen Bauteilübergängen müssen diese luftdichtenden Materialien miteinander verbunden werden. Beim Fenstereinbau müssen die Rahmen mit dauerhaft elastischen und dichten Verbindungsmitteln, wie zum Beispiel Klebebändern, an den verputzten Mauerwerkslaibungen oder im Holzbau an zum Beispiel Grobspanplatten angeschlossen werden (Ortschaum und Silikon sind alleine keine geeigneten Luftdichtungsmittel). Nachstehend eine beispielhafte Auswahl an Bauteilanschlüssen, bei denen die Luftdichtheit beachtet werden muss: • Kellerdecke/Bodenplatte – Außenwand • Außenwand – Fenster/Haustür • Außenwand – Rohrdurchführungen/Steckdosen • Außenwand – Dachkonstruktion • Dachkonstruktion – Dachflächenfenster • Dachkonstruktion – Schornstein/WC-Entlüftung/Antennenanschluss Die Luftdichtheit eines Gebäudes kann mit einem Blower-Door-Test überprüft werden, dieser sollte vor dem Estricheinbau, aber nach Installationsfertigstellung durchgeführt werden. Es ist sinnvoll, sich das Luftdichtheitskonzept vor Baubeginn zeigen zu lassen und abzunehmen. Übrigens: Wer schon mal gesehen hat, wie eine Kerze an einer innenliegenden Steckdose durch den außerhalb des Gebäudes herrschenden Wind ausgeblasen wird, versteht, wie wichtig luftdichtes Bauen ist. Gerade wenn die Außenhülle eines Gebäudes luftundurchlässig hergestellt werden muss, ist das zu errichtende Gebäude so auszuführen, dass der zum Zwecke der Gesundheit und Beheizung erforderliche Mindestluftwechsel sichergestellt ist (vergleiche § 6 Absatz 2 EnEV).


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