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Gifhorn_61_01

Teil III Wärmebrücken Zu errichtende Gebäude sind so auszuführen, dass der Einfluss konstruktiver Wärmebrücken auf den Jahresheizwärmebedarf nach den anerkannten Regeln der Technik und den im jeweiligen Einzelfall wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmen so gering wie möglich gehalten wird (vergleiche § 7 Absatz 2 EnEV). Neben einer luftdichten Bauweise ist daher auch auf eine wärmebrückenfreie Ausführung zu achten. Dies gilt insbesondere in Bezug auf die Fensteranschlüsse. Diese sollten dem RAL-Leitfaden „Planung und Ausführung der Montage von Fenstern und Haustüren März 2014“ (bestellbar über die Website des Verbands der Fenster- und Fassadenhersteller) entsprechen. Eine Wärmebrücke ist ein Bereich, durch den die Wärme deutlich schneller nach außen abfließen kann als durch die angrenzenden Bauteile. Es ergeben sich somit lokal niedrigere Temperaturen der Innenseite des betroffenen Bauteils. Dies führt zu Wärmeverlusten und es kann an den entsprechenden Stellen zu Feuchtigkeitsproblemen mit der Gefahr von Schimmelbildung kommen. Üblicherweise treten Wärmebrücken an Bauteilübergängen auf oder durch unsachgemäße Ausführung, wie zum Beispiel Lücken in der Dämmung. Mittlerweile gibt es viele Hilfsmittel auf dem Markt, um wärmebrückenfrei zu bauen. Altbau, Anforderungen und Beispiele Bei den meisten Altbauten bestehen erhebliche Möglichkeiten zur Einsparung von Heizenergie, da deren Kellerdecken, Außenwände und Dächer oft nicht oder nur wenig gedämmt sind. Neue Fenster haben wesentlich niedrigere Wärmeverluste als Einfach- oder ältere Zweifachverglasungen, die vor 1995 eingebaut wurden. Durch nachträgliche Wärmedämmung lassen sich in Altbauten oft auch Feuchteprobleme und Schimmelrisiken beseitigen. Besonderheiten historischer Baustoffe und Baukonstruktionen müssen dabei berücksichtigt werden. Eine weitere Hauptursache der schlechten Energieausbeute in bestehenden Gebäuden ist der geringe Wirkungsgrad veralteter Heizkessel. Erhebliche Wärmemengen verlassen das Haus ungenutzt über den Schornstein. Diese Abgasverluste können durch moderne Heizkessel beträchtlich verringert werden. Damit mindern sich auch Schadstoffe wie Schwefel- und Kohlendioxyd. Nach Ansicht der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände gilt unter den modernen Heizkesseln der Brennwertkessel als besonders energiesparende und umweltschonende Wärmeerzeugung. Anforderungen Wenn eine ältere Immobilie erworben wird bzw. wurde, haben die neuen Besitzerinnen und Besitzer nicht nur die oben dargestellte Chance zur Einsparung von Heizenergie, sondern sie werden vom Gesetzgeber auch zu einigen Nachrüstungen im und am Gebäude verpflichtet. Diese Pflichten müssen innerhalb von zwei Jahren nach Eigentumsübergang erfüllt werden. Je nach Alter und Größe, bzw. Leistung des vorhandenen Heizkessels muss dieser ausgetauscht werden. Durch § 10 Absatz 1 EnEV ist Folgendes vorgegeben: „Eigentümer von Gebäuden dürfen Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickt werden und vor dem 1. Oktober 1978 eingebaut oder aufgestellt worden sind, nicht mehr betreiben. Eigentümer von Gebäuden dürfen Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickt werden 64  |  Planen und Bauen im Landkreis Gifhorn und vor dem 1. Januar 1985 eingebaut oder aufgestellt worden sind, ab 2015 nicht mehr betreiben. Eigentümer von Gebäuden dürfen Heizkessel, die mit flüssigen oder gasförmigen Brennstoffen beschickt werden und nach dem 1. Januar 1985 eingebaut oder aufgestellt worden sind, nach Ablauf von 30 Jahren nicht mehr betreiben. Die Sätze 1 bis 3 sind nicht anzuwenden, wenn die vorhandenen Heizkessel Niedertemperatur-Heizkessel oder Brennwertkessel sind, sowie auf heizungstechnische Anlagen, deren Nennleistung weniger als vier Kilowatt oder mehr als 400 Kilowatt beträgt, und auf Heizkessel nach § 13 Absatz 3 Nummer 2 bis 4.“ Befinden sich in der erworbenen Immobilie in unbeheizten Bereichen zugängliche, aber ungedämmte Heizungs- und Warmwasserleitungen sowie Armaturen oder Pumpen, so müssen diese gedämmt werden (vergleiche § 10 Absatz 2 EnEV). Die Dämmstoffstärke richtet sich nach den Rohrdurchmessern, Angaben dazu sind in der Anlage 5 der EnEV zu finden. Gibt es in einem älteren Gebäude eine nicht gedämmte Zwischendecke zum unbeheizten Dachboden, eine so genannte oberste Geschossdecke, so haben die Eigentümerinnen und Eigentümer diese zu dämmen. Die Regelungen des § 10 Absatz 3 lauten: „Eigentümer von Wohngebäuden … müssen dafür sorgen, dass zugängliche Decken beheizter Räume zum unbeheizten Dachraum (oberste Geschossdecken), die nicht die Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2: 2013-02 erfüllen, nach dem 31. Dezember 2015 so gedämmt sind, dass der Wärmedurchgangskoeffizient der obersten Geschossdecke 0,24 Watt/(m2K) nicht überschreitet. Die Pflicht nach Satz 1 gilt als erfüllt, wenn anstelle der obersten Geschossdecke das darüberliegende Dach entsprechend gedämmt ist oder den Anforderungen an den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2: 2013-02 genügt. Bei Maßnahmen zur Dämmung nach den Sätzen 1 und 2 in Deckenzwischenräumen oder Sparrenzwischenräumen ist Anlage 3 Nummer 4 Satz 4 und 6 entsprechend anzuwenden.“ Um einen U-Wert von 0,24 W/(m2K) an der obersten Geschossdecke zu erhalten, muss zum Beispiel auf einer Betondecke ein Dämmstoff in 14 cm Stärke in WLG 035 aufgelegt werden. Bei einer Decke in Holzbaukonstruktion ist zusätzlich zu prüfen, ob eine funktionierende luftdichtende Ebene, z. B. eine raumseitig verputzte Schilfrohrmatte, vorhanden ist. Aber auch bei der Änderung von Außenbauteilen bestehender Wohngebäude stellt die Energieeinsparverordnung energetische Anforderungen an die Bauteile, die von den Eigentümerinnen und Eigentümern im Rahmen der Sanierung oder Modernisierung einzuhalten sind. Die Einzelheiten hierzu sind in § 9 EnEV in Verbindung mit der Anlage 3 der EnEV geregelt. Wärmedämmmaßnahmen an bestehenden Gebäuden müssen jedoch individuell auf die bestehende Bausubstanz abgestimmt sein. Im einfachsten Fall ist dies ein Wärmedämmverbundsystem, welches seit über 50 Jahren erfolgreich eingesetzt wird und auf dem vorhandenen Außenputz aufgeklebt und verdübelt wird. Je nach Baustil und Wandaufbau kann es aber auch eine Innendämmung sein. Eine Beschreibung aller in Frage kommenden Dämmmaßnahmen an den unterschiedlichsten Bauteilen vom Keller bis zum Dach würde den Rahmen dieser Broschüre sprengen. Als Orientierung kann jedoch die Tabelle auf der vorherigen Seite (S. 63) mit den U-Wert-Anforderungen an die einzelnen Bauteile dienen. Aufgelistet sind die EnEV-Anforderungen als Mindeststandard, aber auch verbesserte und empfohlene U-Werte. 19. Energiesparendes Bauen


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