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Planen und Bauen im Landkreis Gifhorn  |  65 Jedes Gebäude ist anders und die geforderten U-Werte können auf die unterschiedlichste Art und Weise erreicht werden. Neben der individuellen Dämmstoffstärke muss bei jedem Bauteil im Altbau in besonderem Maße auf Luftdichtheit und Wärmebrücken geachtet werden. Außerdem muss die Dämmung direkt, ohne Luftschicht, an das Bauteil anschließen. Eine mögliche Hinterlüftung kann je nach Konstruktion aber zwischen Dämmung und außenliegendem Wetterschutz der Fassade sein, wie z. B. bei einer Holzfassade. Übrigens: Wände atmen nicht! Die Innenoberflächen der Wände nehmen in geringem Maße Luftfeuchtigkeit aus der Raumluft auf und geben sie an die Raumluft wieder ab. Das eigentliche Lüften, sprich die Erneuerung der Raumluft und der Abtransport von überschüssiger Luftfeuchtigkeit, geschieht immer über geöffnete Fenster und/oder Türen. Alternativ kann eine mechanische Lüftungsanlage betrieben werden. Dies ist komfortabel und spart bei einem Gerät mit Wärmerückgewinnung zudem Energie ein. Wichtig ist, sich mit den neuen Begebenheiten des sanierten Hauses auseinanderzusetzen und gegebenenfalls das Nutzerinnen und Nutzerverhalten anzupassen. So muss zum Beispiel nach einer Fenstererneuerung das Lüftungsverhalten wieder neu erlernt werden. Das Lüften muss nun von den Bewohnerinnen und Bewohnern eigenständig durchgeführt werden, da undichte Fenster und so genannte Fugenlüftung der Vergangenheit angehören. Hilfreich ist die Verwendung eines Luftfeuchtemessers (Hygrometers) und eines Thermometers in jedem Raum. Bei einer Raumlufttemperatur von 20 °C sollte die Luftfeuchtigkeit nicht mehr als 60 % betragen. Der Einsatz einer Lüftungsanlage erspart die beschriebenen Schritte. Auch können nach durchgeführten Dämmmaßnahmen die Raumlufttemperaturen deutlich reduziert werden, da die Oberflächentemperaturen der gedämmten Bauteile annähernd Raumtemperatur haben. So werden Aufenthaltsräume bei 20 °C Raumtemperatur als behaglich warm empfunden, da es keine kalt abstrahlenden Fenster und Außenwände mehr gibt. Beispiele umgesetzter Sanierungen Es gibt bereits viele gute Beispiele von umgesetzten Sanierungen. Auf der Internetseite der dena ist unter http://effizienzhaus. zukunft-haus.info eine Suchmaske für energieeffizient sanierte Bestandsgebäude in ganz Deutschland zu finden. Auch Beispiele von Sanierungen auf Passivhausniveau können angesehen werden. Diese sind unter www.passivhausprojekte.de zu finden. Unter www.sanieren-profitieren.de können Sanierungstagebücher eingesehen werden. Sanierte Objekte aus Niedersachsen findet man unter www.heimspiel-niedersachsen.de im Bereich Informationen und Erfahrungsberichte. Broschüren der dena über energieeffiziente Sanierungen und deren Haustechnik informieren produktneutral. Diese können unter www.zukunft-haus.info/publikationen bestellt werden (einzugeben sind die Begriffe Verbraucher und Sanierung). BAFA Vor-Ort-Beratung Die Durchführung einer noch darüber hinausgehenden umfangreichen Vor-Ort-Beratung, wie sie vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert wird, ist häufig dann empfehlenswert, wenn sich aus dem HeizCheck bzw. der Energiesprechstunde oder Initialberatung eine entsprechende Sinnfälligkeit ergibt oder ohnehin bereits die Durchführung von energetischen Modernisierungsmaßnahmen geplant und dabei vielleicht auch ein Zuschuss der KfW-Förderbank angestrebt wird. Beratung bei historischer Bausubstanz und Denkmalen Bei Baudenkmalen und erhaltenswerter historischer Bausubstanz sind die Möglichkeiten bei einem energetischen Sanierungswunsch oft eingeschränkt. Für Fragen steht die untere Denkmalschutzbehörde als Ansprechpartner zur Verfügung (Telefon: 05371/82644). Neben Beratungen zu geeigneten Materialien und Konstruktionen können dort auch für die KfW erforderliche Bescheinigungen ausgestellt werden. Die Beratungen werden kostenlos angeboten, können aber nur einer ersten Orientierung dienen. Für die weiteren erforderlichen Ermittlungen und Berechnungen ist eine zugelassene Energieberaterin oder ein zugelassener Energieberater hinzuzuziehen. Fördermöglichkeiten Soll eine bestehende Immobilie umfangreich saniert werden, so sind Anforderungen bei Änderungen von Außenbauteilen entsprechend der EnEV einzuhalten. Diese Anforderungen der EnEV beziehen sich auf die Mindestanforderungen von Einzelbauteilen. Wer sein Gebäude besser als EnEV-Standard sanieren möchte, kann verschiedene Förderprogramme in Anspruch nehmen. Förderungen der KfW Die KfW bietet Förderungen für Einzelmaßnahmen und Sanierungen zu KfW-Effizienzhäusern an, jeweils als Kredit oder Investitionszuschuss. Je nach erreichtem Niveau eines KfW-Effizienzhauses kann auf Nachweis ein Tilgungszuschuss beantragt werden. Die Förderungen laufen ausschließlich über Banken, Sparkassen und Versicherungen, so genannte Finanzierungsinstitute. Zur Abwicklung ist außerdem eine unabhängige Energieberaterin oder ein unabhängiger Energieberater notwendig. KfW-Effizienzhaus, gültig bis zum 31.03.2016 40 55 70 QP in % QP REF 40 % 55 % 70 % H´T in % H´T REF 55 % 70 % 85 % Tilgungszuschuss 10 % 5 % KfW-Effizienzhaus, gültig ab dem 01.04.2016 40 plus 40 55 QP in % QP REF 40 % 40 % 55 % H´T in % H´T REF 55 % 55 % 70 % Zusätzliche Anforderung Plus Paket 55 % 70 % Tilgungszuschuss tagesaktuell tagesaktuell tagesaktuell Quelle: www.kfw.de (Stand November 2015) Die aktuellen Konditionen sind unter www.kfw.de zu finden. Neben baulichen Maßnahmen werden auch Änderungen und Erweiterungen der Haustechnik gefördert. Förderungen des BAFA Das BAFA bietet neben der Förderung einer Vor-Ort-Beratung (siehe oben) auch die Förderung neuer Haustechnik im Gebäudebestand auf Grundlage erneuerbarer Energien an. Die Programme des BAFA sind teilweise mit denen der KfW kombinierbar. Die aktuellen Konditionen sind unter www.bafa.de zu finden. Weitere Fördermöglichkeiten Einen Überblick über alle weiteren Fördermöglichkeiten eines speziellen Objektes bietet die Interseite www.foerderdata.de.  


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